18.12.2019 Kognitive Verhaltenstherapie wirkt sich auf Hirnaktivit?t aus

Team aus der Medizin ermittelte die neuronalen Korrelate einer Behandlung von Panikst?rungen

Eine Behandlung mit Kognitiver Verhaltenstherapie reduziert Panikattacken und Vermeidungsverhalten, vermutlich indem sie anormale Hirnaktivit?t d?mpft.
Illustration: Autoren
Eine Behandlung mit Kognitiver Verhaltenstherapie reduziert Panikattacken und Vermeidungsverhalten, vermutlich indem sie anormale Hirnaktivit?t d?mpft.

Behandelt man eine Panikst?rung durch kognitive Verhaltenstherapie, so schl?gt sich deren Erfolg in einer ge?nderten Hirnaktivit?t nieder. Das hat ein bundesweites Forschungsteam aus Psychologie, Hirnforschung und Medizin herausgefunden, indem es Verhaltensexperimente mit bildgebenden Verfahren kombinierte. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um den Psychologen Professor Dr. Benjamin Straube und den Mediziner Professor Dr. Tilo Kircher von der Philipps-Universit?t Marburg ver?ffentlichten ihre Ergebnisse im Fachblatt ?American Journal of Psychiatry“.

Panikst?rung ist eine der schwersten Angstst?rungen, gekennzeichnet durch pl?tzliche und wiederholte Panikattacken. ?Die Entstehung einer Panikst?rung wird regelm??ig von einer verzerrten Verarbeitung von sprachlichen und nichtsprachlichen Bedeutungen über die Welt und sich selbst begleitet“, erl?utert Mitverfasser Tilo Kircher, der die Marburger Universit?tsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie leitet. Die Therapie der Wahl bei Panikst?rung ist eine Kognitive Verhaltenstherapie, die eine krankhafte Sprachverarbeitung normalisiert.

?Was dabei auf der Ebene der Hirnaktivit?t geschieht, wurde bislang nicht ausreichend mit experimentellen Ans?tzen untersucht“, erg?nzt Koautor Benjamin Straube. Diese Lücke schlossen die Autorinnen und Autoren, indem sie Experimente mit 118 Patientinnen und Patienten durchführten, deren Panikst?rung noch nicht mit einer Kognitiven Verhaltenstherapie behandelt wurde; 42 davon erhielten eine Therapie und wurden danach wiederholt getestet. Als Vergleich dienten 150 gesunde Probandinnen und Probanden.

Das Team nutzte das Verfahren der Magnetresonanz-Bildgebung, um die Hirnaktivit?ten der Studienteilnehmer zu untersuchen, w?hrend es diese gleichzeitig einer sprachlichen Aufgabe unterzog. Bei dieser Aufgabe geht es um die Vorbereitung der Symptome einer Panikattacke durch typische Ausl?ser von Panik, etwa durch das Wort ?Aufzug“, das Betroffene oft mit dem Gefühl von auswegloser Enge und Angst verbinden.

Das Ergebnis der Studie: Haben Patienten noch keine Kognitive Verhaltenstherapie absolviert, so nehmen sie eine st?rkere Zusammengeh?rigkeit zwischen panik-ausl?senden und symptombeschreibenden W?rtern wahr als gesunde Probanden. Dieser Effekt spiegelt sich in der ver?nderten Aktivit?t bestimmter Hirnareale wider.

Nach einer Kognitiven Verhaltenstherapie geht es den Betroffenen nicht nur besser, sondern ihre sprachliche Verarbeitung hat sich auch normalisiert. Auch der Behandlungserfolg schl?gt sich in der Hirnaktivit?t nieder: Sie ist in einem Hirnareal ged?mpft, das panik-bezogene Wortpaare verarbeitet. ?Offenbar unterbindet die Kognitiven Verhaltenstherapie Assoziationen, die für Patienten mit Panikst?rung symptomatisch sind“, schlussfolgert der Marburger Psychologe Dr. Yunbo Yang, der als Erstautor der Publikation firmiert.

Neben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Philipps-Universit?t Marburg beteiligten sich Arbeitsgruppen sechs weiterer Universit?ten an der Studie, n?mlich aus Berlin, Bremen, Dresden, Greifswald, Münster und Würzburg. Das Bundesforschungsministerium unterstützte die zugrundeliegenden Forschungsarbeiten finanziell.

Originalver?ffentlichung: Yunbo Yang & al.: Effect of CBT on Biased Semantic Network in Panic Disorder: A Multicenter fMRI Study Using Semantic Priming, AJP 2019, DOI: 10.1176/appi.ajp.2019.19020202

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