16.12.2019 Die Weisheit früherer Generationen bewahren

Philipps-Universit?t ehrt Prof. Dr. Maria Tatar von der Harvard University mit dem Brüder Grimm-Preis

Portr?taufnahme: Universit?tspr?sidentin Prof. Dr. Katharina Krause (links), die Brüder-Grimm-Preistr?gerin Prof. Dr. Maria Tatar (Mitte) und die Laudatorin Prof. Dr. Marion Schmaus (rechts) bei der Verleihung des Brüder Grimm-Preises.
Foto: Henrik Isenberg
Universit?tspr?sidentin Prof. Dr. Katharina Krause (links), die Brüder-Grimm-Preistr?gerin Prof. Dr. Maria Tatar (Mitte) und die Laudatorin Prof. Dr. Marion Schmaus (rechts) bei der Verleihung des Brüder Grimm-Preises.

Die Philipps-Universit?t Marburg ehrt die amerikanische Literaturwissenschaftlerin Prof. Dr. Maria Tatar mit dem Brüder Grimm-Preis 2019. Durch ihre wissenschaftliche Forschungsleistung sowie ihr editorisches und essayistisches Werk geh?rt Maria Tatar zu den bedeutendsten Stimmen der Literatur- und Kulturgeschichte im deutschsprachigen wie im internationalen Raum. Die Verleihung des mit 5.000 Euro dotierten Brüder Grimm-Preises fand am Freitag, 13. Dezember 2019, in der Aula der Alten Universit?t in Marburg statt.

Der Abend war ganz Tatar und den Brüder Grimm gewidmet, ihrer Verbindung zu Marburg und ihrem Wirken in die ganze Welt hinein. ?Viele Orte in Hessen rühmen sich damit, einen besonderen Bezug zu den Brüder Grimm zu haben. In Marburg wurde der Grundstein für ihre wissenschaftliche T?tigkeit gelegt“, sagte Prof. Dr. Katharina Krause, Pr?sidentin der Philipps-Universit?t. Hier entstanden die Ideen für die Sammlung der Kinder- und Hausm?rchen, hier begründeten sie ihre Sprachforschung. ?Mit Fug und Recht gibt es diesen wichtigen Wissenschaftspreis und ich freue mich, dass wir heute eine bedeutende Wissenschaftlerin in Marburg begrü?en und auszeichnen dürfen“, sagte Krause. ?Der Weg aus den USA nach Marburg ist weit – doch es war uns ein besonderes Anliegen, Prof. Dr. Maria Tatar pers?nlich in Marburg begrü?en zu dürfen. Wie keine andere hat sie unseren Blick für die Zweiseitigkeit des M?rchens gesch?rft. Wir freuen uns sehr, dass sie unserem Wunsch gefolgt ist“, sagte Prof. Dr. Marion Schmaus, Dekanin des Fachbereichs Germanistik und Kunstwissenschaften in ihrer Laudatio.

Tatar wurde 1945 in Deutschland geboren. 1952 migrierte ihre Familie in die USA. Doch die Werke der deutschen Brüder Grimm begleiteten sie dennoch weiter auf ihrem Weg. ?Ungef?hr seit ich fünf Jahre alt war, hegte ich eine gro?e Faszination für die Geschichten der Brüder Grimm. Sie wurden mehr und mehr zu meinen gro?en Helden“, sagte Tatar und bedankte sich für die Ehrung mit dem Brüder Grimm-Preis. Neben der Magie, die M?rchen innewohnt, gibt es auch auff?llige Anst??igkeiten wie Mord, Schwangerschaft, Kannibalismus oder Verstümmelung. ?Für Kinder sind M?rchen ein faszinierendes Tor zur Erwachsenenwelt“, sagte Tatar in ihrer Festrede. Doch die dargestellte Not, Gewalt und die Konflikte deutet Tatar auch als eine Resonanz auf historisch bedingte Erfahrungen von Hunger, Armut und Krieg. ?M?rchen artikulieren ?ngste und Konflikte. Diese symbolischen Geschichten helfen uns, Erlebtes zu verarbeiten und im Realen, im hier und heute zu navigieren – auch weil sie uns mit der Weisheit früherer Generationen verbinden“, sagte Tatar und betonte dabei auch die wichtige Rolle volkskundlicher Erz?hlungen beim Schaffen transkultureller Verbindungen. ?In vielen L?ndern ersetzen sie lokale Traditionen und spielen dadurch kulturell eine so zentrale Rolle, dass sie ?dein‘ Volksgut und ?mein‘ Volksgut in ein globales ?unser‘ verwandelten – natürlich auch mithilfe brillanter übersetzungen und einer sich entwickelnden Filmkultur“, sagte Tatar, die das Nachleben der Grimm-M?rchen auch in vielen zeitgen?ssischen Filmen und Serien erkennt. So handelt ihr jüngster Blog-Eintrag unter anderem von der Grimm’schen Formel, die Regisseur, Autor, Schauspieler und Kameramann Quentin Tarantino in Filmen wie ?Django Unchained“, ?Inglourious Basterds“ oder ?Once Upon a Time... in Hollywood“ nutzt. ?In vieler Hinsicht sind einige Sammlungen, insbesondere die Grimmschen Kinder- und Hausm?rchen, inzwischen transnationale Erfolgsgeschichten“, sagte Tatar und würdigte damit das gro?e Werk der Brüder Grimm.

Festvortrag von Maria Tatar zum Download

Brüder Grimm-Preis

Die Philipps-Universit?t Marburg verleiht den Brüder Grimm-Preis in der Regel alle zwei Jahre für hervorragende Leistungen auf den Forschungsgebieten der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm, insbesondere den Sprach- und Literaturwissenschaften, der Volkskunde, der Rechtsgeschichte und der Geschichtswissenschaft. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert. Zu den früheren Preistr?gern geh?ren unter anderem die Historikerin Heide Wunder (2017), die US-amerikanische Autorin Ruth Klüger (2014) und Prof. Dr. Heribert Prantl aus der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung (2012).

Mehr Informationen zum Preis: www.chatyolu.com/de/universitaet/profil/preise/auszeichnungen

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